Geschichtlicher Abriss des Seeland-Gebietes

Entstehung der Landschaft und frühe Besiedlung

Das Seeland-Gebiet erstreckt sich von nordwestlich Aschersleben bis östlich Gatersleben. Die Seeländerreihen-Senke entstand durch Salzauslagerungen am „Ascherslebener Sattel“ und beim Abschmelzen des Eises der letzten „Weichsel-Eiszeit“. Das Schmelzwasser durchfloss das Niederungsgebiet und es entstanden tiefe Rinnen in der Senke. Vor etwa 120.000 Jahren bildete sich der 1. See in der Senke. Wie archäologische Funde bewiesen, lebten vor 60.000 Jahren Neandertaler in diesem Gebiet. Das Seegelände war schon im 5. Jahrhundert zur Völkerwanderung besiedelt. Vor 1.000 Jahren bildeten sich am sogenannten „Schwarzen Fliessee“, der sich von Gatersleben bis Aschersleben erstreckte, kleine Ansiedlungen, woraus die Dörfer Nachterstedt, Gatersleben, Schadeleben, Frose und Wilsleben entstanden.

Fischfang, Jagd und Veränderungen des Sees

Der Fischfang und die Jagd auf Wassergeflügel waren für die Bewohner im Seegebiet bedeutend. Da das Seegebiet keinen natürlichen Zufluss hatte, verlandete der See immer wieder. Deshalb veranlasste der Bischoff von Halberstadt um 1450 die Selke bei Gatersleben zu stauen und das Wasser in das Seegebiet zu leiten. Der Fischreichtum des Sees führte dazu, dass besonders in Nachterstedt das Fischereigewerbe ein wichtiger Erwerbszweig wurde. 250 Jahre waren von reichem Fischsegen geprägt.

Ende des 17. Jahrhunderts kam es wieder zur Verlandung des Sees, so dass Friedrich I., König von Preußen, 1703/12 den See völlig trocken legen ließ, um das gewonnene Land für die Besiedelung zu nutzen. Es wurden 1753 die Dörfer Friedrichsaue und Königsaue gegründet. Bis 1880 entwickelte sich der Torfstich, überwiegend bei Frose, Nachterstedt und Schadeleben.

Beginn des Braunkohleabbaus

Mit der Entdeckung des Braunkohlevorkommens bei Aschersleben im Jahre 1828 begann eine rege Bergbautätigkeit im heutigen Seeland-Gebiet. Die Braunkohlenlagerstätte erstreckte sich vom nordwestlichen Ortsrand von Aschersleben bis westlich von Alt Nachterstedt im heutigen Seeland-Gebiet und wird als Braunkohlenrevier Aschersleben-Nachterstedt bezeichnet. Die Braunkohlengewinnung erfolgte in 4 Abbaugebieten: Aschersleben, Königsaue, Frose und Nachterstedt.

Der Abbau der Braunkohle erfolgte anfangs ausschließlich im Tiefbau. Das geringe Deckgebirge und die Schwierigkeiten beim Abbau unter Tage durch Schwimmsand-Einbrüche führten schon 1856/58 zum Abbau im Tagebau der Grube Concordia Nachterstedt. Der Tagebau Concordia Nachterstedt war einer der 1. Tagebaue der Braunkohlengewinnung und bis 1890 zum größten Tagebau der Provinz Sachsen entwickelt worden.

Industrialisierung und Landschaftsveränderung

Bei Aschersleben, Frose und Nachterstedt wurden Schwelereien und Brikettfabriken zur Kohleveredelung sowie ein Kraftwerk für die Verstromung der Kohle errichtet. Der Tagebau erforderte den Abbau der übertägigen Kulturen, sowie tiefe Einschnitte in die Erdoberfläche (bis 80m tief) und Aufschüttungen von Hochhalden (20m), so dass grundlegende Veränderungen der Landschaft im heutigen Seeland-Gebiet vorgenommen wurden.

Aber auch Verkehrswege, Gebäude und ganze Ortschaften mussten verlegt werden.

Ende der Kohleförderung

1977 waren auch die Zusatzfelder des Königsauer Tagebaus ausgekohlt und die Kohleförderung wurde vollständig eingestellt. Das Tagebaurestloch nutzte man aber weiter als Kippraum für den Abraum des Werkpfeilers und dem Tagebaufeld Schadeleben. Die 150 jährige Bergbautätigkeit hinterließ bleibende und tiefgreifende landschaftliche Veränderungen.

So wurden vom Tagebau Königsaue die Hochhalden 1, 2 und 3 (35ha) und Tagebau Nachterstedt die Hochhalden 1 bis 4 (168ha) aufgeschüttet.

Nachdem am 20.12.1991 die Kohleförderung im Tagebau Nachterstedt eingestellt und am 20.05.1996 die letzten Tagebaugroßgeräte der Sanierung stillgesetzt wurden, war die Bergbautätigkeit im Seelandgebiet beendet.

Flutung und Neugestaltung der Tagebaulandschaft

Das Restloch des Tagebaus Nachterstedt mit 595ha Größe wurde am 20.12.1996 geflutet (Abstellen der Pumpen erfolgte) und nach umfangreichen Sanierungsarbeiten zur touristischen Nutzung eingerichtet.

Am 23.01.1998 erfolgte die Namensgebung „Concordia See“, benannt nach dem Ursprung des Sees, dem Tagebau Concordia Nachterstedt. Das Tagebaurestloch des Königsauer Tagebaus 3 in den Seeländerreien wurde zum Biotop mit der heimischen Flora und Fauna umgestaltet und erhielt den Namen „Königsauer See“.

Entwicklung zur Freizeit- und Tourismusregion

Von den aufgeforsteten Hochhalden wurde die Königsauer Halde 1 ab 14.04.2001 als Abenteuerspielplatz am Seeland und die Nachterstedter Halde 3 als Bürderpark genutzt. Ab 28.11.1998 erfolgte die Fremdflutung des Concordia Sees aus der Selke. Nach dem der erforderliche Wasserstand erreicht war, konnte ab 17.08.2002 die wassertouristische Nutzung freigegeben werden.

Ein Badestrand und ein Yachthafen ist dazu am Schadeleber Ufer errichtet worden. Segler, Surfer und Taucher fanden hier eine Heimat.

Quelle: XYZ